Montag, 8. August 2011

Retrospektiv VII - Wer bin ich?



Liebe Leserinnen und Leser, geschätzte Kolleginnen und Kollegen,

als Portraitmaler erforscht man nicht nur unablässig sein Gegenüber, sondern immer wieder auch sich selbst. Das Selbstportrait, das Ihr hier seht, stammt aus dem Jahr 2000. Es ist aus einer Zeit, in der ich noch nicht wirklich ausgegoren war.

Ich habe es leider versäumt, einen Nachruf auf dem großen Lucian Freud zu posten, der am 20. Juli dieses Jahres verstarb. Mea culpa! Dennoch möchte ich es nicht versäumen, mich dem Trauerchor anzuschließen, denn für mein Empfinden war er einer der größten figurativen zeitgenössischen Maler überhaupt. Der Verlust, der durch seinen Tod in der Kunst entstanden ist, kann gar nicht überschätzt werden und die entstandene riesige Lücke ist auch nicht zu füllen.

Wo ist nun der Bezug? In der Entstehungszeit dieses Bildes habe ich mich intensiv mit Lucian Freuds Arbeiten beschäftigt. Die Fleischlichkeit seiner Portraits hat mich ungeheuer fasziniert. Und sicherlich wollte ich schlagartig die Grenzen meiner eigenen Malerei sprengen. Doch erstens gehört dazu Mut - vor allem reichlich Farbmasse auf die Leinwand zu modellieren - und zweitens muss der Zeitpunkt stimmen. Wenn ich also die Arbeiten aus der zweiten Lebenshälfte des Lucian Freud betrachte, dann war ein langer Weg dorthin erforderlich, auf dem man keine Etappe überspringen kann. Dass ich mit meinen damals 29 Jahren diesen Sprung dennoch wagen wollte, konnte selbstverständlich nicht klappen. Als künstlerische Momentaufnahme ist dieses Selbstportrait dennoch sehenswert.

Mit einem Maler ist es nicht viel anders, als mit einem Scotch Whisky: Er braucht viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, um zur vollen Reife und zu seiner unvergleichlichen Qualität zu gelangen. Dieser Prozess lässt sich um kein einziges Jahr verkürzen. Wenn man diese Tatsache akzeptiert, kann man die Dinge mit sehr viel Gelassenheit angehen. Die Digitalen Medien sind unglaublich schnell und die Beschleunigung nimmt exponentiell zu. Die klassische Ölmalerei ist sehr langsam. Und das bleibt so.

Freuen wir uns an der Entschleunigung der Kunst!

The photo in this post is taken by Lars Käker. © Lars Käker 2011

Kommentare:

  1. Meine Antwort auf deinen Kommentar: Kann ich nachvollziehen! Ich strebe auch nach der Ausbildung zusätzlich ein Studium an, wahrscheinlich im Bereich Medienwissenschaften, denn der Gestalter- oder Designertitel alleine reicht heutzutage offensichtlich wirklich nicht mehr. Es gibt einfach zu viele und man muss sich durch eigene Fachgebiete irgendwie hervorheben können. Ich hoffe, das mir das auch gelingen wird ...
    Deinen Blog verfolge ich übrigens schon :)
    LG, Lilith

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  2. Guten Morgen, Lars,
    Sorry about my lack of German language skills. Next time, I'll use a translator and "cut-and-paste" my comments in proper German. I promise!
    Anyway, I want to tell you how much I like this portrait. As I took more time to look at it, it seems like something I would do if I had more skill! Now I know what my paintings could look like.
    Great work, Lars.
    Sincerely,
    Gary

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  3. Stunning, absolutely stunning work. Following you via bloglovin'

    A fellow artist,


    PvdH

    www.ThePvdHJournal.com

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  4. Love your work Lars...we have qualities that run together...portrait...groups portrait...identity... you can see more of my work on facebook here http://www.facebook.com/matthewivancherry1

    Enjoy!

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